Stiftungen in der Schweiz

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Philanthropie-Standorte weltweit. Ende 2022 gab es insgesamt 13’635 Schweizer Stiftungen – 123 mehr als im Vorjahr, und die Tendenz ist weiterhin steigend. Zusätzlich beträgt das gesamte Stiftungsvermögen rund 100 Mrd. Schweizer Franken. Ideale Bedingungen für eine blühende Zukunft des Schweizer Stiftungssektors!

Stiftungen in der Schweiz: Junges, engagiertes & dynamisches Stiftungswesen

Der Stiftungssektor in der Schweiz ist vielfältig und jung. Neben den klassischen Stiftungen, die ein gestiftetes Vermögen über Fördergelder in gewisse Bereiche wie Bildung oder Kultur ausschütten, existieren in der Schweiz zunehmend Stiftungen, die sich selbst in gesellschaftlichen Themenfeldern positionieren und international tätig sind. Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass beinahe 70 Prozent aller Stiftungen in den letzten 30 Jahren gegründet wurden. Bis zum Ende 2022 zählte das wachsende Schweizer Stiftungswesen 13’635 gemeinnützige Stiftungen, 337 davon waren neu gegründet. Demgegenüber stand eine hohe Zahl an aufgelösten Stiftungen – 214 waren es im Jahr 2022.

Die Schweiz positioniert sich immer mehr als einer der bedeutendsten Philanthropie-Standorte weltweit, mit sechsmal mehr Stiftungen pro Kopf als in den USA oder Deutschland. 2018 betrug das Stiftungsvermögen rund 100 Mrd. Schweizer Franken. Die Schweizer Stiftungen verteilen sich übrigens nicht gleichmäßig über das Land, sondern sie finden sich gehäuft in den fünf Kantonen Zürich, Bern, Genf, Basel-Stadt und Waadt – mehr als die Hälfte aller Schweizer Stiftungen haben dort ihren Sitz.

Verbrauchsstiftungen, Dachstiftungen oder Umweltstiftungen: Vielfältige Sitftungslandschaft

Das Idealbild Stiftung, dem das Gesetz in der Schweiz und die Vorstellung der meisten Menschen folgt, sieht wie folgt aus: Nach dem Tode wird eine gemeinnützige Stiftung gegründet, mit einem Vermögen für die Ewigkeit ausgestattet und mit einem Zweck verbunden, an dem sich die Vergabe an Dritte ausrichtet. Die heutige Stiftungslandschaft in der Schweiz präsentiert sich jedoch deutlich variantenreicher und orientiert sich an einer Bandbreite von Zweckbereichen. Der aktuelle Themenbezug zu Umweltthemen und Politik findet sich in den verschiedensten Stiftungstypen wieder. Es existieren unter anderem operative Stiftungen, Förderstiftungen, Familienstiftungen, gemeinnützige Stiftungen, kirchliche Stiftungen, Unternehmensstiftungen, Dachstiftungen, Stiftungen auf Zeit oder Verbrauchsstiftungen – sie alle tragen zu einer Agilität im Stiftungssektor und einer verstärkten Sichtbarkeit der Stiftungen in der Schweiz bei.

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Welche Themen bespielen Schweizer Stiftungen? Umwelt, Politik & Advocacy

Neu gegründete Stiftungen in der Schweiz spiegeln in ihrer inhaltlichen Ausrichtung vor allem die zeitaktuellen Themen der Gesellschaft wider. Zugenommen haben Stiftungen mit einem thematischen Bezug zur Umwelt, dem Klimaschutz, der Politik oder Advocacy. Letztere folgen wiederum dem internationalen Trend der Stiftungen, sich persönlich in den politischen Diskurs einzubringen. Mäzene finden sich darüber hinaus in den Feldern Sozialwesen, Forschung und Gesundheitswesen.

Für das Gemeinwohl: Welchen Hürden stehen Schweizer Stiftungen aktuell gegenüber?

Das zunehmend professionalisierte Stiftungswesen tut der Gesellschaft gut. Eine Studie der SwissFoundations und PwC untermauert diese These mit finanziellen Gesichtspunkten. Die Studie ging der Frage nach, ab wann die Gesellschaft von einer Stiftungsgründung mehr profitiert als dem Staat an Steuersubstrat verloren geht. Laut den Ergebnissen ist dies bereits nach enorm kurzer Zeit der Fall. Trotzdem sieht sich das Schweizer Stiftungswesen aktuell mit Herausforderungen konfrontiert: Die Globalisierung mit gestiegener sprachlicher und kultureller Vielfalt stellt Stiftungen vor allem im Bereich der Kommunikation vor Herausforderungen. Die steigende Alterung der Bevölkerung erschwert Stiftungen die Besetzung von Stiftungsmandaten, zudem sind die Anforderungen in der Qualifikation, Verantwortlichkeit und im Zeiteinsatz gestiegen. Einige Kantone engagierten sich im vergangenen Jahr deshalb verstärkt, um gegen Klischees im Bereich des Stiftungswesens zu agieren. Sie werben für mehr Stiftungen, für Massnahmen für eine Förderung von Stiftungen und privat Fördernde im Kulturbereich.

Digitalisierung & Fundraising: Stiftungsverzeichnis Schweiz

Die Digitalisierung spielt den Stiftungen in der Schweiz im Bereich Fundraising und Spenden sammeln in die Hände. Die Vermittlung zwischen den gemeinnützigen Organisationen, den privaten Spender:innen oder Förderorganisationen vereinfacht sich. Schweizer Stiftungsverzeichnisse bieten gemeinnützigen Organisationen oder Spendenden zudem eine aktuelle Übersicht über die mehr als 13’000 gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz und Zugang zu relevanten Informationen. StiftungSchweiz.ch nutzt die digitale Entwicklung in Form einer digitalen Plattform, die über Spenden sammeln und Fundraising informiert, berät, gemeinnütziges Engagement und ausgewählte Projekte fördert sowie gemeinnützige Organisationen, Firmen, Privatpersonen und Stiftungsverwalter:innen verbindet.

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Stiftungen in der Schweiz, Österreich & Deutschland

Das Stiftungsrecht der Schweiz ist im Zivilgesetzbuch, Art. 80-89, geregelt und ist eine häufig anzutreffende Rechtsform, die vor rund zehn Jahren einer Revision unterzogen wurde. Das zog u. a. verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen und Mindestanforderungen an die Rechnungslegung nach sich. Das Gesetz hat die Rechtssicherheit in der Schweiz gestärkt, dennoch ist die schweizerische Stiftung als privatnützige Vermögensträgerin nur beschränkt tauglich und hinkt im internationalen Vergleich Deutschland und Österreich hinterher. Die zivil- und steuerrechtlichen Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen in der Schweiz, Österreich und Deutschland sind erheblich und betreffen alle Bereiche von Stiftungen wie Transparenzanforderungen oder die Anforderungen an die Stiftungsaufsicht. Gerade in grenzüberschreitenden Sachverhalten sind diese im Blick zu behalten und bei einem Agieren über Ländergrenzen hinweg zu beachten.